Kapitel 5

Ein neu­es Kapitel

Im fünf­ten Kapi­tel die­ser Chro­nik schlägt das juni­kum tat­säch­lich ein eben sol­ches auf und schreibt mit Bau und Bezug beein­dru­cken­der neu­er Räum­lich­kei­ten Geschich­te. Zwölf Jah­re lang war die Schil­ler­stra­ße 1 Stand­ort der Haupt-Geschäfts­stel­le, im August 2018 war zunächst das Wohn­haus für die »juni­tO­ER­bit« bezugs­fer­tig, im Spät­herbst dann auch die Geschäfts­stel­le an der Klein-Erken­schwi­cker-Str. 17…

 

Den Neu­bau fest im Blick


m 7. April 2017 hat das »juni­kum« die Anträ­ge für die bei­den geplan­ten Neu­bau­ten im Stadt­teil Oder ein­ge­reicht. Die »juni­tO­ER­BIT«, seit Lan­gem fes­ter Bestand­teil auf dem Gelän­de zwi­schen Kin­der­gar­ten und Pfarr­zen­trum, soll eben­so ein neu­es Domi­zil bezie­hen, wie die Geschäfts­stel­le des »juni­kum«. Stell­ver­tre­tend für die Kin­der und Jugend­li­chen zeig­te sich Geschäfts­füh­rer Tho­mas Kurth begeis­tert. Nach­dem im Juli 2017 der ers­te Spa­ten­stich für den Neu­bau erfolg­te, roll­te kurz dar­auf bereits der Bag­ger an, um mit den Erd­ar­bei­ten zu beginnen.

 

Stadt­ge­schicht­li­che Bedeutung


as Gelän­de des alten Pas­to­rats von Oer, wo der Neu­bau jetzt ent­ste­hen soll, gelang­te Anfang der »90er-Jah­re« in den Fokus der Hei­mat­for­schung als alter­na­ti­ver Stand­ort der »Burg Oer«. Stadt­ge­schicht­li­che Bedeu­tung hat die­ser Sitz der Her­ren von Oer dadurch, dass hier bis heu­te die »Keim­zel­le« von Oer ver­mu­tet wird. Auch wenn bereits 1436 die Her­ren von Oer von ihrem Lan­des­herrn, dem Köl­ner Erz­bi­schof, end­gül­tig aus dem Vest ver­trie­ben wur­den, zeigt das Wap­pen der Stadt Oer-Erken­schwick doch ein­drucks­voll, wie eng der Bezug zur Fami­lie von Oer noch in heu­ti­ger Zeit ist.

Zur Prü­fung des Bau­un­ter­grunds wur­den von der Bau­fir­ma Schnit­te aus­ge­ho­ben, die danach von einem Gra­bungs­team der »LWL-Archäo­lo­gie für West­fa­len« noch genau­er unter­sucht und archäo­lo­gisch erfasst wur­den. Ange­trof­fen wur­den hier­bei über­wie­gend alte Auf­schüt­tun­gen. Der Schnitt in der Nähe des Stra­ßen­rands könn­te even­tu­ell ein Teil der in den alten Kar­ten ein­ge­zeich­ne­ten Gräf­te ange­schnit­ten haben. Ein Erfas­sen der gesam­ten Flä­che ist jedoch nicht vor­ge­se­hen, da eine tie­fe Aus­he­bung der Bau­gru­be nicht not­wen­dig ist. Viel­mehr bewirkt die geplan­te Boden­plat­te eine Stel­len-Ver­sie­ge­lung, so dass die Situa­ti­on in der Erde für kom­men­de For­schun­gen trotz des Baus erhal­ten bleibt.

 

Gelun­ge­nes Richtfest


on oben kün­dig­te sich Unheil an. Das Wet­ter droh­te dem Richt­fest des »juni­kum« am Frei­tag, 15. Dezem­ber 2017 an der Klein-Erken­schwi­cker-Stra­ße zunächst einen bösen Streich zu spie­len, doch am Ende schloss der Wet­ter­gott für die zahl­rei­chen Anwe­sen­den nicht nur für einen Moment die Regen­schleu­se, er schick­te sogar ein paar Son­nen­strah­len auf die bei­den impo­san­ten Roh­bau­ten, so dass die Ver­an­stal­tung plan­mä­ßig von stat­ten gehen konn­te. Noch befin­den sich die bei­den »junikum«-Häuser im Roh­bau, doch die vie­len Besu­cher, dar­un­ter selbst­ver­ständ­lich auch zahl­rei­che »junikum«-Mitarbeitende, konn­ten sich bereits einen außer­or­dent­lich guten Ein­druck vom Bau­pro­jekt auf dem Gelän­de des ehe­ma­li­gen Pfarr­hau­ses verschaffen.

Was die eigent­li­che Bau­pha­se anging, so befand man sich im Dezem­ber 2017 voll im Zeit­plan. „Nur müs­sen wir gera­de damit leben, dass es Lie­fer­schwie­rig­kei­ten bei den Fens­tern gibt“, sag­te Tho­mas Kurth, der den Umzug sei­ner Mit­ar­bei­ten­den sowie den Ein­zug der Kin­der und Jugend­li­chen für das kom­men­de Jahr avi­sier­te. „Ab der drit­ten Kalen­der­wo­che 2018 ste­hen die Arbei­ten im Bereich Elek­trik und Sani­tär an, die Fens­ter wer­den dann eben­falls nach und nach ein­ge­baut”, so Kurth wei­ter. Der Geschäfts­füh­rer bedank­te sich im Bezug auf den Bau des »OERBIT 2.0« bei allen Betei­lig­ten für den enor­men bis­he­ri­gen Input und die eben­so lei­den­schaft­li­che wie pro­fes­sio­nel­le Koope­ra­ti­on auf allen Ebenen.

 

Plan­mä­ßi­ger Erstbezug


homas Kurth, Geschäfts­füh­rer der juni­kum GmbH, freu­te sich völ­lig zu recht: „Wir sind voll im Zeit­plan und konn­ten unser ers­tes Ziel plan­mä­ßig errei­chen!” Was war gesche­hen? Vom 25. auf den 26. August 2018 ver­brach­ten die ers­ten Kin­der im neu­en Grup­pen­haus mit der Bezeich­nung »juni­tO­ER­BIT« ihren ers­ten Tag und ihre ers­te Nacht. Der Ein­zug erfolg­te, obwohl die Hand­wer­ker im Haus sowie die Gala­bau­er im Außen­be­reich noch eini­ge Arbei­ten erle­di­gen müs­sen. „Alle Betei­lig­ten arbei­ten mit Voll­dampf an der Fer­tig­stel­lung”, so Kurth. „Wir wün­schen allen Kin­dern und Mit­ar­bei­ten­den von Her­zen einen guten Start in ihrer neu­en Hei­mat!”, sen­de­te der Geschäfts­füh­rer die bes­ten Wün­sche aus.

 

Abriss des alten Pfarrgebäudes


lötz­lich ging alles ganz schnell. Das alte Pfarr­haus der katho­li­schen Gemein­de an der Klein-Erken­schwi­cker-Stra­ße 17 war schnel­ler abge­ris­sen, als man schau­en konn­te.  „Es ist ein Haus, an dem der Zahn der Zeit nag­te und das tech­nisch längst nicht mehr auf aktu­el­lem Stand war. Pfar­rer woh­nen dort schon seit vie­len Jah­ren nicht mehr”, berich­te­te Jour­na­list Jochen Bör­ger ind er »Stim­berg Zei­tung«. Nach dem bereits abge­schlos­se­nen Umzug der Wohn­grup­pe »juni­tO­ER­BIT« aus dem Pfarr­haus in eine der bei­den Neu­bau­ten fie­bern nun die knapp 20 Mit­ar­bei­ten­den der Geschäfts­stel­le dem bal­di­gen Umzug von der Schil­ler­stra­ße 1 zur Klein-Erken­schwi­cker-Stra­ße 17 ent­ge­gen. Rund 1,2 Mil­lio­nen Euro pro Haus wur­den in die bei­den Bau­ten investiert.

 

»Ganz nor­ma­ler« Umzugsstress


esprä­che wie das Fol­gen­de dürf­ten nach rea­li­sier­tem Umzug in die neue Geschäfts­stel­le wohl kei­ne Sel­ten­heit wer­den: „Und wo kann ich Sie fin­den?” – „Das juni­kum fin­den Sie in der Schill… – äh, par­don: in der Klein-Erken­schwi­cker-Stra­ße 17!” – So oder so ähn­lich wird es den Mit­ar­bei­ten­den des juni­kum in Oer-Erken­schwick in den nächs­ten Wochen und Mona­ten wohl noch eini­ge Male gehen, schließ­lich hat­te die Haupt­stel­le des juni­kum ihren Sitz sat­te zwölf Jah­re an der Oer-Erken­schwi­cker Schil­ler­stra­ße mit der Haus­num­mer 1. Ohne jede Fra­ge noch gewöhnungsbedürftig.

Seit weni­gen Wochen lau­tet die Adres­se des juni­kum also »Klein-Erken­schwi­cker-Str. 17« und der Neu­be­zug der dor­ti­gen Räum­lich­kei­ten macht Tho­mas Kurth, Geschäfts­füh­rer des juni­kum, ganz beson­ders stolz. „Ich glau­be, ich spre­che für alle unse­re Mit­ar­bei­ten­den hier in der Geschäfts­stel­le, aber ganz sicher auch für die Bewoh­ner und Betreu­er der benach­bar­ten »juni­tO­ER­bit«, wenn ich sage, dass wir mit dem neu­en Stand­ort an der Klein-Erken­schwi­cker-Stra­ße 17 und den nagel­neu­en Räum­lich­kei­ten mehr als zufrie­den sein können.”

Nach dem »ganz nor­ma­len« Umzugs­stress wird in nahe­zu allen Büros auch das All­tags­ge­schäft wie­der auf­ge­nom­men, selbst­ver­ständ­lich beglei­tet von den bei einem Umzug die­ser Grö­ßen­ord­nung eben­falls »ganz nor­ma­len« Stör­feu­ern, wie Tho­mas Kurth zu berich­ten weiß: „Alle Tele­fo­na­te wer­den aktu­ell noch auf unse­re Mobil­te­le­fo­ne umge­lei­tet, aber auch die Pro­ble­me mit der Tele­fon­lei­tung wer­den wir mit unse­rem Anbie­ter sicher bald aus der Welt geschafft haben.” Wäh­rend die Arbei­ten im Gebäu­de mitt­ler­wei­le wei­test­ge­hend abge­schlos­sen sind, dau­ern die Arbei­ten am Außen­ge­län­de noch an. Aktu­ell wer­den die Park­plät­ze ange­legt, danach fol­gen Arbei­ten an den Grünanlagen.

 

Eli­sa­beth Folz verabschiedet


Am 7. Febru­ar 2019 wur­de Eli­sa­beth Folz aus dem Auf­sichts­rat des juni­kum mit gro­ßem Applaus ver­ab­schie­det. „Exakt ein Jahr zuvor haben wir Ihren Mann aus dem Auf­sichts­rat ver­ab­schie­det! Sie ver­spra­chen uns damals, noch ein Jahr dran hän­gen zu wol­len, was uns sehr glück­lich gemacht hat!”, so Wolf­gang Wag­ner, stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der des Kir­chen­vor­stan­des St. Josef, zum Auf­takt sei­ner Rede. Dass die­se Jahr nur so vor­bei­rausch­te, hat­ten alle Betei­lig­ten erschre­ckend zur Kennt­nis genommen.

Wag­ner dank­te dem schei­den­den Auf­sichts­rat­mit­glied gemein­sam mit sei­nen bei­den Kol­le­gen vom »Unter­aus­schuss juni­kum vom Kir­chen­vor­stand St. Josef«, Nor­bert Schrö­er und Dr. Mar­tin Jostarndt für die geleis­te­te Arbeit in den ver­gan­ge­nen Jah­ren und bedau­er­te die schei­den­de Kom­pe­tenz. Was Eli­sa­beth Folz, die dem juni­kum vor allem in Finanz­fra­gen hilf­reich zur Sei­te stand, in ihrer Funk­ti­on als Auf­sichts­rat­mit­glied des juni­kum beson­ders aus­zeich­ne­te, war die Fähig­keit, sich fun­diert und durch­dacht ein­zu­brin­gen — und das »lei­se« und mit dem Ver­zicht auf über­mä­ßig vie­le Wor­te. Das juni­kum ist für Eli­sa­beth Folz im Lau­fe der Jah­re zu einer ech­ten Her­zens­an­ge­le­gen­heit gewor­den. Stets war sie über alle Akti­vi­tä­ten bes­tens infor­miert und bei nahe­zu allen Events auch per­sön­lich ver­tre­ten. Mit ihr ver­liert das juni­kum einen ech­ten Aktivposten.

 

Geschichts­träch­tig


uni 2020. Im west­fä­li­schen Oer-Erken­schwick pas­siert in die­sen Tagen Geschichts­träch­ti­ges. Mit den bei­den Ordens­schwes­tern Lucie und Ger­lin­de wer­den heu­er die letz­ten bei­den dienst­ha­ben­den »Schwes­tern der gött­li­chen Vor­se­hung« von der Deut­schen Pro­vinz heim­ge­holt. Die bei­den Schwes­tern kön­nen zusam­men auf sage und schrei­be 88 Dienst­jah­re ver­wei­sen und gel­ten in Oer-Erken­schwick als Institution.

Schwester Lucie Schwester Gerlinde

»Schwes­tern der gött­li­chen Vorsehung«

Als »Schwes­tern der gött­li­chen Vor­se­hung« tra­gen die Bei­den immer eine klei­ne Streich­holz­schach­tel bei sich. Dar­in lie­gend zwei klei­ne Papier­röll­chen, wor­auf die Wei­sun­gen ver­fasst sind. „Die Urre­geln wur­den damals bewusst ein­fach gehal­ten und soll­ten in eine Streich­holz­schach­tel pas­sen“, weiß die in Gel­sen­kir­chen-Buer gebo­re­ne Schwes­ter Lucie zu berichten.

Schwester Lucie

Zur Grün­dung des dama­li­gen Schwes­tern­hau­ses an der Kirch­stra­ße im Jah­re 1913 wur­den damals die ers­ten vier Ordens­schwes­tern nach Oer-Erken­schwick ent­sen­det. „Die Not war sei­ner­zeit sehr groß“, erin­nert sich Schwes­ter Ger­lin­de beim Blick in die fast 110-jäh­ri­ge Chro­nik des heu­ti­gen »juni­kum«. „Die Inten­ti­on unse­res Grün­ders Edu­ard Miche­lis haben wir bis zum heu­ti­gen Tag fort­ge­führt. Damals wie heu­te gilt: Nöte wahr­neh­men, ihnen mutig und offen begeg­nen und jede an uns gestell­te Auf­ga­be mit Gott­ver­trau­en anneh­men!“ Die Schwes­tern hat­ten hier­bei eines immer ganz beson­ders im Fokus: die Ori­gi­na­li­tät des Ande­ren wert­zu­schät­zen und ihr barm­her­zig zu ent­ge­gen sowie kla­re Struk­tu­ren vor­zu­ge­ben. „Am bes­ten geht dies mit­tels ein­fa­cher Kom­mu­ni­ka­ti­on – ohne zu bewer­ten“, betont Schwes­ter Lucie, die Gott ver­traut, wenn es um die Zukunft geht.

Schwester Lucie

Fami­li­är leicht vorbelastet

Sowohl Schwes­ter Lucie, als auch Schwes­ter Ger­lin­de sind fami­li­är leicht vor­be­las­tet, auch wenn sie die fina­le Ent­schei­dung Ordens­schwes­ter wer­den zu wol­len selbst­ver­ständ­lich selbst tra­fen. Bei­de kurio­ser­wei­se im Alter von jeweils 21 Jah­ren. Schwes­ter Lucie, im Krieg gebo­ren, woll­te ursprüng­lich Schnei­de­rin wer­den. „Zur dama­li­gen Zeit wur­de man­gels Gel­des fast alles selbst gemacht. Das Hand­werk der Schnei­de­rin hat mich anfangs so sehr fas­zi­niert, dass ich bereits mit 14 Jah­ren eine ent­spre­chen­de Leh­re mach­te.“ Nach eini­gen Jah­ren aber fühl­te sie sich zu etwas ande­rem beru­fen. Müt­ter­li­cher­seits exis­tier­ten bereits Vor­se­hungs­schwes­tern, die aber hat­te Schwes­ter Lucie nie ken­nen­ler­nen dürfen.

Schwester gerlinde

Schwes­ter Ger­lin­de, groß gewor­den auf einem Bau­ern­hof in ihrem Geburts­ort Waren­dorf, zieht Par­al­le­len: „Mei­ne Tan­te war Ordens­schwes­ter, mein Onkel Pries­ter. Das hat mich schon in jun­gen Jah­ren unheim­lich beein­druckt, ja es hat mir sogar regel­recht impo­niert. Gleich in mei­nem ers­ten Jahr habe ich bei den Vor­se­hungs­schwes­tern eine enor­me Lebens­fä­hig­keit gespürt.“ Die Wege waren also bei Bei­den vor­ge­zeich­net. Schwes­ter Lucie: Klos­ter­aus­bil­dung in Keve­la­er, wei­ter­füh­ren­de Schu­le in Dort­mund und schließ­lich als Heim­erzie­he­rin nach Oer-Erken­schwick. Schwes­ter Ger­lin­de gelang als Novi­zin über das Inter­nat in Met­tin­gen, als Inter­nats­schwes­ter in Stadt­lohn sowie über das Kin­der­heim Wesel und die Aus­bil­dungs­sta­tio­nen in Mün­chen und Xan­ten nach Oer-Erken­schwick. Ins­ge­samt unglaub­li­che 88 Dienst­jah­re in der Päd­ago­gik (Schwes­ter Lucie) und Haus­wirt­schaft (Schwes­ter Ger­lin­de) soll­ten dort für die bei­den Schwes­tern in »OE« folgen.

Dem »Novum« zunächst skep­tisch begegnet

„Als ein gewis­ser Tho­mas Kurth im Jah­re 1995 die Lei­tung des Kin­der­heims St. Agnes über­nahm, waren wir Schwes­tern zunächst ein­mal ein wenig skep­tisch“, gibt Schwes­ter Lucie heu­te zu. Wenig ver­wun­der­lich, stand doch mit dem Amts­an­tritt Kurths nach 87 Jah­ren erst­mals kei­ne Ordens­schwes­ter mehr in der Haupt­ver­ant­wor­tung der Oer-Erken­schwi­cker Insti­tu­ti­on. Ein ech­tes Novum also. „Herr Kurth hat die­se Auf­ga­be aber auf den Punkt genau mit viel Mut und unge­heu­rer Kom­pe­tenz, gepaart mit authen­ti­scher Lei­den­schaft und Empa­thie ange­packt, so dass unse­re gesun­de Skep­sis schnell ver­flog“, so Schwes­ter Lucie, die für Kurth ins zwei­te Glied rück­te. „Über­haupt gehört die weit über zwei Jahr­zehn­te wäh­ren­de Zusam­men­ar­beit mit dem heu­ti­gen Geschäfts­füh­rer des »juni­kum« in unse­re gedank­li­che Schatz­tru­he“, schwär­men bei­de schei­den­den Ordens­schwes­tern uni­so­no. „Ohne Fra­ge hat sich hier über die Jah­re hin­weg ein sehr ver­trau­ens­vol­les, respekt­vol­les und sogar freund­schaft­li­ches Ver­hält­nis ent­wi­ckelt“, sagt Schwes­ter Ger­lin­de nicht ohne Stolz. Die Gesamt­lei­tung des »juni­kum« bewer­ten die Schwes­tern als »über­ra­gend«.

Erfül­lung erlangt

Ordens­schwes­ter zu sein ist für Lucie und Ger­lin­de kein Beruf. Mehr eine Beru­fung. Obwohl prak­tisch ohne groß­ar­ti­ge Erwar­tun­gen gestar­tet, erlang­ten sie schon sehr bald eine gewis­se Erfül­lung. Die Kin­der ver­sor­gen und gut betreu­en – selbst zurück­zu­ste­hen. Die Kin­der zur Selb­stän­dig­keit erzie­hen – gemein­sam mit ihnen den All­tag meis­tern. Hier­zu gehör­te natür­lich auch das stän­di­ge Bestre­ben, ein mög­lichst per­fek­tes sozia­les Umfeld zu schaf­fen sowie immer wie­der klei­ne Wohl­fühl­oa­sen zu bie­ten. „Die drei­wö­chi­ge Som­mer­fahrt mit den Kin­dern gehör­te für mich per­sön­lich immer zu den High­lights des Jah­res“, erin­nert sich Schwes­ter Lucie. Geschich­ten von damals wer­den noch heu­te mit den Betei­lig­ten gern geteilt. Schwes­ter Ger­lin­de kann sich gut an die Fei­ern und Grill­fes­te erin­nern: „Freu­de in den All­tag zu brin­gen. Das Geben und Neh­men leh­ren!“ Als größ­te Leis­tung der heu­ti­gen Geschäfts­füh­rung bewer­ten die Schwes­tern im Rück­blick die Tat­sa­che, dass das »juni­kum« trotz des immensen Wachs­tums immer auch ein Stück fami­li­är geblie­ben ist.

Schwes­tern für die Zukunft gerüstet

Schwes­ter Lucie weiß, dass sie gemein­sam mit Schwes­ter Ger­lin­de in den ver­gan­ge­nen Jah­ren nicht nur viel gege­ben, son­dern auch viel zurück­be­kom­men hat. „Die Arbeit mit den Kin­dern hat uns defi­ni­tiv jung gehal­ten und uns eine gewis­se geis­ti­ge Fit­ness bewahrt!“ Kon­takt zu »Ehe­ma­li­gen« besteht wei­ter und auch der Kon­takt zum »juni­kum« selbst soll auch nach dem Umzug der Bei­den ins Pro­vinz­haus nach Müns­ter nicht abrei­ßen. Um dies zu gewähr­leis­ten haben sich die Damen Smart­pho­nes zuge­legt, Whats­app inklu­si­ve. Bei aller Ver­liebt­heit zur Tra­di­ti­on will man sich den heu­ti­gen tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten nicht ver­schlie­ßen. Natür­lich wer­de man das »juni­kum« selbst, die Pfarr­ge­mein­de sowie den Aus­tausch zwi­schen Jung und Alt ver­mis­sen. Gleich­wohl freue man sich auch auf die nun fol­gen­de nächs­te Etap­pe. Immer­hin war­ten in Müns­ter vier wei­te­re Ordens­schwes­tern bereits auf Lucie und Ger­lin­de. Schwes­tern, die sie dank ihrer eige­nen Aus­bil­dung bereits seit Jahr­zehn­ten ken­nen. So sorgt die geschichts­träch­ti­ge Ver­ab­schie­dung der bei­den Ordens­schwes­tern Lucie und Ger­lin­de dafür, dass sich ein wei­te­rer Kreis schließt und die »junikum«-Chronik um ein Kapi­tel rei­cher wird.

 

Geschichts­träch­tig


as Jahr 2020 – für das juni­kum irgend­wie ein Jahr der Ver­ab­schie­dun­gen. Zunächst wur­den im Juni die letz­ten bei­den Ordens­schwes­tern der Ein­rich­tung, die Schwes­tern Lucie und Ger­lin­de, in den wohl­ver­dien­ten Ruhe­stand gelei­tet, dann nahm mit Andre­as Reckels eine wei­te­re ech­te Insti­tu­ti­on der Gesell­schaft für Jugend­hil­fe und Fami­li­en in Oer-Erken­schwick den viel zitier­ten »Hut«. „Nach zwan­zig wert­schät­zen­den und erfolg­rei­chen Jah­ren“, wie der in Köln behei­ma­te­te Psy­cho­the­ra­peut für Kin­der und Jugend­li­che betont und eigent­lich sat­te 18 Jah­re spä­ter, als ursprüng­lich ange­dacht, wur­de der heu­te 61-Jäh­ri­ge vom Geschäfts­füh­rer des juni­kum, Tho­mas Kurth, im Jah­re 2000 doch eigent­lich nur für zwei Jah­re als Bera­ter des Kin­der­heim St. Agnes angeheuert.

Andreas Reckels

Die Che­mie stimm­te auf Anhieb…

Nun bli­cken bei­de Par­tei­en auf zwan­zig Jah­re der frucht­ba­ren Zusam­men­ar­beit zurück. Tho­mas Kurth und Andre­as Reckels hin­ge­gen ken­nen und schät­zen sich sogar noch sehr viel län­ger. „Tho­mas Kurth und ich ken­nen uns bereits seit 1985, also 35 Jah­re! Sei­ner Zeit absol­vier­te ich im »Ber­nards­hof May­en«, einer Jugend­hil­feein­rich­tung in Rhein­land-Pfalz, das so genann­te »Aner­ken­nungs­jahr als Diplom-Heil­päd­ago­ge«. Tho­mas und ich arbei­te­ten dort qua­si Tür an Tür. Die Che­mie zwi­schen uns stimm­te auf Anhieb und wir hat­ten vie­le gute und kon­struk­ti­ve Gesprä­che“, weiß Reckels zu berichten.

Work­shop stell­te die Weichen

Nach einem von ihm im Jah­re 1999 gelei­te­ten Work­shop im Rah­men eines Fach­ta­ges der Katho­li­schen Fach­hoch­schu­le Köln mach­te Tho­mas Kurth Nägel mit Köp­fen und hol­te Reckels als Bera­ter ins juni­kum, wo sich die­ser fort­an als »Super­vi­sor« vor­nehm­lich um die Ent­wick­lung und Inte­gra­ti­on eines fami­li­en­ori­en­tier­ten und sys­te­mi­schen Ver­ständ­nis- und Bera­tungs­an­sat­zes in die päd­ago­gi­sche Arbeit mit Kin­dern, Jugend­li­chen und deren Fami­li­en auf ambu­lan­ter und sta­tio­nä­rer Ebe­ne küm­mer­te und die Bera­tung des Lei­tungs­teams zur insti­tu­tio­nel­len und inhalt­lich-fach­li­chen Wei­ter­ent­wick­lung des Kin­der­heims St. Agnes, sprich: des juni­kum, über­nahm. Damit ver­bun­den war auch die Fort­bil­dung der Mit­ar­bei­ten­den in sys­te­mi­schem Den­ken und Han­deln sowie im Umgang mit päd­ago­gi­schen Situa­tio­nen, in denen sich Fra­gen zum Kin­des­wohl stel­len, wie »Hil­fe- und dia­log­ori­en­tier­ter Kin­der­schutz«. Nicht zuletzt stan­den zwei Jahr­zehn­te lang Ent­wick­lung und Inte­gra­ti­on eines sys­te­ma­ti­schen Vor­ge­hens für ein »dia­gnos­ti­sches Fall­ver­ste­hen« bei Reckels auf der Tagesordnung.

„Jede Jeck ess anders!“

Reckels Arbeit im juni­kum zeich­ne­te stets aus, den Ein­satz und die Qua­li­tä­ten jedes ein­zel­nen Mit­ar­bei­ten­den im Blick zu haben und zu stär­ken. „Jede Jeck ess anders“, betont der Kin­der- und Jugend­li­chen­psy­cho­the­ra­peut und sys­te­ma­ti­sche The­ra­peut, der weiß, dass ein Team gera­de von der Unter­schied­lich­keit eines jeden Mit­ar­bei­ten­den profitiert.

„Jeder bringt per­sön­li­che Kom­pe­ten­zen, Res­sour­cen und ein indi­vi­du­el­les Erfah­rungs­wis­sen in die Arbeit ein. Das gilt es wert­zu­schät­zen. Es kön­nen nicht alle »gleich gut« sein“, so Reckels. Hier­bei bedient er sich gern des grie­chi­schen Phi­lo­so­phen Aris­to­te­les: »Das Gan­ze ist mehr, als die Sum­me sei­ner Tei­le!« Für Reckels ein Hin­weis dar­auf, dass es für alle Betei­lig­ten von Vor­teil ist, wenn sich die ein­zel­nen Mit­ar­bei­ten­den selbst gut ken­nen, bei­spiels­wei­se im Hin­blick auf ihre inne­ren Hal­tun­gen und Wer­te, ihre Fer­tig­kei­ten und Res­sour­cen, aber eben­so bezüg­lich ihrer Schwä­chen und Unsi­cher­hei­ten oder hin­sicht­lich mög­li­cher Gefüh­le von Unzu­läng­lich­keit. „Per­so­nen in einem Sys­tem oder einem Team, die für­ein­an­der in Bezie­hung und zuein­an­der in Wech­sel­be­zie­hung ste­hen, wer­den sich gegen­sei­tig för­dern und haben einen hohen Wir­kungs­grad, wenn die jewei­li­gen per­sön­li­chen Kom­pe­ten­zen in einem stim­mi­gen Ver­hält­nis zuein­an­der han­deln.“ Als Ver­gleich zieht er hier gern die berühm­ten »Bre­mer Stadt­mu­si­kan­ten« her­an. „Aus­gangs­punkt mei­nes eige­nen Han­delns war es daher immer, den ein­zel­nen Mit­ar­bei­ten­den in sei­nen Hand­lun­gen und mit sei­nen Gefüh­len zu verstehen!“

Zahl­rei­che Stellschrauben

An wel­chen Stell­schrau­ben konn­te Andre­as Reckels im Rah­men sei­nes Enga­ge­ments in Oer-Erken­schwick dem­nach am nach­hal­tigs­ten dre­hen? „Als ich vor 20 Jah­ren mei­ne Bera­tungs­tä­tig­keit im juni­kum auf­nahm, traf ich auf ein enga­gier­tes und erfah­re­nes Lei­tungs­team. Die Ana­ly­se der damals durch­ge­führ­ten Stand­ort­be­stim­mung zeig­te unter ande­rem, dass es in St. Agnes eine star­ke Fokus­sie­rung der Arbeit auf die »Bezie­hung zwi­schen Kin­dern und Päd­ago­gen« gab. Es lag ein reich­hal­ti­ges Reper­toire und Wis­sen im päd­ago­gi­schen Umgang mit Kin­dern und Jugend­li­chen vor, die in ihren Fami­li­en Ver­nach­läs­si­gung und/oder Gewalt erlebt hat­ten und die ihre unsi­che­ren oder des­or­ga­ni­sier­ten Bin­dungs­mus­ter in der Bezie­hung zu den Päd­ago­gin­nen und Päd­ago­gen wiederholten.“

Es wur­de deut­lich: der pro­fes­sio­nel­le Umgang mit trau­ma­ti­sier­ten Kin­dern stell­te meist eine enor­me emo­tio­na­le Her­aus­for­de­rung dar, weil die Betreu­er einer­seits die Krän­kun­gen der Kin­der ver­ste­hen woll­ten, sie aber ande­rer­seits oft mit hef­ti­gen, gefühls­mä­ßig auf­ge­la­de­nen Wie­der­ho­lungs­sze­nen, so genann­ten »Über­tra­gun­gen«, kon­fron­tiert wur­den, die bei ihnen selbst Gefüh­le von Wut, Ohn­macht oder Mit­leid hin­ter­lie­ßen. Reckels‘ vor­ran­gigs­tes Anlie­gen war es also, durch Super­vi­si­on und Bera­tung die »Über­tra­gungs­be­zie­hun­gen« bes­ser zu ver­ste­hen. „Denn »Ver­ste­hen« kön­ne als ein Vor­gang bezeich­net wer­den, der einem Ver­hal­ten und einem Erle­ben Sinn ver­leiht“, so Reckels, dem es pri­mär dar­um ging, sol­che Ent­wick­lun­gen im päd­ago­gi­schen Han­deln vor­an­zu­brin­gen, die für Kin­der und Jugend­li­che mit emo­tio­nal bedeut­sa­men und för­der­li­chen Unter­schieds­er­fah­run­gen einhergehen.

Ein wei­te­res wich­ti­ges Ent­wick­lungs­ziel war es, für die Kin­der und Jugend­li­chen ein päd­ago­gi­sches Kli­ma zu gestal­ten, ohne die Bin­dung an deren Zuhau­se zu unter­bre­chen, schließ­lich bedeu­tet das »Fremd­un­ter­brin­gen« in nahe­zu allen Fäl­len Risi­ko und Chan­ce zugleich. „Zur Chan­ce wird Heim­erzie­hung immer dann, wenn Fami­li­en und Eltern aktiv in den Hil­fe­pro­zess ein­be­zo­gen wer­den. Eltern­ar­beit im Heim stellt in der Regel die rich­ti­gen Wei­chen“, spricht Reckels aus Erfah­rung. Eltern, Geschwis­tern, Groß­el­tern und ihren Geschich­ten, wur­den daher zuneh­mend mehr Gewicht in Bezug auf ihre zen­tra­le sozi­al- emo­tio­na­le Bedeu­tung (Bin­dung) und Ent­wick­lung für das Kind zuge­wie­sen und zu wich­ti­gen Koope­ra­ti­ons­part­nern im Hil­fe­pro­zess. In die­sem Zusam­men­hang ent­schied dann auch das Lei­tungs­team des juni­kums zwei zusätz­li­che Fach­kräf­te ein­zu­stel­len, die fort­an aus­schließ­lich für »Fami­li­en­be­ra­tung« zustän­dig waren. Auch die Eta­blie­rung so genann­ter »Fall­su­per­vi­sio­nen« ver­än­der­ten das Selbst­ver­ständ­nis der Päd­ago­gin­nen und Päd­ago­gen im juni­kum, die sich fort­an nicht mehr »nur« auf die Bezie­hung zwi­schen »Päd­ago­ge und Kind« fokus­sier­ten, son­dern auf das Drei­eck »Kind-Eltern-Päd­ago­ge«.

»Jugend­hil­fe wirkt nur als Gan­zes positiv«

Zudem war es Reckels immer wie­der wich­tig, auf den grö­ße­ren Zusam­men­hang (Kon­text) zu ver­wei­sen, in dem gedacht, gehan­delt und ent­schie­den wird, denn: »Jugend­hil­fe wirkt nur als Gan­zes posi­tiv« (Schrap­per, 2002). Dies bedeu­te­te, nicht nur die Mit­ar­bei­ten­den des juni­kum, son­dern auch und vor allem ambu­lan­te Hil­fen, Ärz­te sowie die Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter von Jugend­äm­tern (ASD, Vor­mund­schaf­ten, etc.) und Schu­len, zu den Fall­su­per­vi­sio­nen ins juni­kum ein­zu­la­den, um gemein­sam zu einem umfas­sen­den dia­gnos­ti­schen Fall­ver­ste­hen zu gelan­gen und somit poten­ti­ell den Wir­kungs­grad der Hil­fen zu erhöhen.

„Wenn das Wohl von Kin­dern in Fra­ge steht, sie mög­li­cher­wei­se gefähr­det sind, dann müs­sen Fach­kräf­te der Jugend­hil­fe in der Lage sein, Gefähr­dungs­si­tua­tio­nen von Kin­dern zu erken­nen, ange­mes­sen ein­zu­schät­zen und zuver­läs­sig abzu­wen­den. Sol­che Lagen sind für Fach­kräf­te mit enor­men, auch ver­un­si­chern­den, Her­aus­for­de­run­gen ver­bun­den“, so Reckels. Kin­des­wohl­ge­fähr­dung, die sich inner­halb der Fami­lie eines Kin­des ent­wi­ckelt, spie­ge­le einen Bezie­hungs­kon­flikt und ver­deut­li­che, dass Eltern und Kin­der in und an ihrer Lebens­welt schei­tern. Die Auf­ga­be »Das Kin­des­wohl sichern« stell­te einen wei­te­ren »zen­tra­len Bau­stein« im Rah­men der Bera­tung und der fach­li­chen Ent­wick­lung dar. Ein wirk­sa­mer Kin­der­schutz soll­te dia­log­ori­en­tiert gestal­tet sein, was bedeu­tet, alle wich­ti­gen Per­so­nen, wie das Kind und des­sen Eltern, dabei aktiv ein­zu­be­zie­hen. Denn: Kin­der­schutz ist Bezie­hungs­ar­beit! Das fami­li­en­ori­en­tier­te Kon­zept »Hil­fe statt Stra­fe«, setzt sowohl auf Kon­trol­le, als auch auf die Nut­zung fami­liä­rer Ver­än­de­rungs­res­sour­cen und nimmt die Lösungs­ideen der Betrof­fe­nen ernst. Um die­ser Facet­te der Arbeit zukünf­tig bes­ser Rech­nung tra­gen zu kön­nen, wur­de eine umfang­rei­che Fort­bil­dung mit allen päd­ago­gi­schen Mit­ar­bei­ten­den durch­ge­führt, um die Wahr­neh­mung für etwai­ge Gefähr­dungs­la­gen zu schär­fen und damit einen siche­re­ren Umgang zu gestalten.

„Fach­li­che Arbeit auf sehr hohem Niveau!“

Dass im juni­kum eine enor­me Ent­fal­tung statt­fin­den konn­te, ist auch dem unglaub­li­chen Enga­ge­ment sowie der beein­dru­cken­den Exper­ti­se von Andre­as Reckels zu ver­dan­ken. „Aus dem »klei­nen« Kin­der­heim St. Agnes, wie ich es zu Beginn ken­nen lern­te, hat sich ein moder­ner und gro­ßer Kin­der- und Jugend­hil­fe-Trä­ger, das juni­kum, ent­wi­ckelt. Das juni­kum hält inzwi­schen einen gro­ßen Teil der Hil­fen vor, die das Kin­der- und Jugend­hil­fe­ge­setz vor­sieht. Man arbei­tet fach­lich auf einem sehr hohen Niveau. Das ist mög­lich, weil die Mit­ar­bei­ten­den zu stän­di­ger Refle­xi­on und Infra­ge­stel­lung bereit sind und aus mög­li­chen Feh­lern ler­nen“, so Reckels. Dies alles ermög­licht auch und vor allem die Qua­li­täts­si­che­rung nach innen und außen durch zuver­läs­si­ge Kooperation.

Was aber hat sich bei Andre­as Reckels beson­ders ins Gedächt­nis ein­ge­brannt? „Das durch­gän­gi­ge Wohl­wol­len sowie der Respekt, der mir ent­ge­gen­ge­bracht wur­de. Dafür möch­te ich mich sehr herz­lich bei allen Men­schen bedan­ken, die ich vor Ort in den letz­ten zwan­zig Jah­ren ken­nen ler­nen durf­te…“ Das juni­kum ist für Andre­as Reckels nun Geschich­te. Über­haupt hat er sei­ne Bera­tungs- und Lehr­tä­tig­keit in Insti­tu­tio­nen been­det. Kin­dern, Jugend­li­chen, jun­gen Erwach­se­nen und deren Fami­li­en wird er in sei­ner psy­cho­the­ra­peu­ti­schen Pra­xis in Köln aber auch in Zukunft eine Hil­fe sein.

 

Time to say goodbye


ufge­regt, mit gespann­ter Freu­de, vol­ler Taten­drang und wis­sens­durs­tig war sie im Juni 2002 im »Kin­der­heim St. Agnes« gestar­tet. Chris­tia­ne Jan­sen hat­te schon damals jede Men­ge Berufs‑, Lebens- und Lei­tungs­er­fah­rung — aber prak­ti­sche Erfah­rung in der Jugend­hil­fe? Fehl­an­zei­ge. Den­noch ist sie ihren Weg mehr als erfolg­reich gegan­gen. Geschäfts­füh­rer Tho­mas Kurth hat sei­ne lang­jäh­ri­ge Stell­ver­tre­te­rin gern als »Lot­sin« bezeich­net. „Eine Lot­sin, die nun lei­der von Bord geht! Rück­bli­ckend hat es Chris­tia­ne Jan­sen gemein­sam mit den Men­schen aus ihrem Arbeits­feld geschafft, dass aus der etwas betag­ten »Kin­der­heim-Jol­le« ein ansehn­li­ches, moder­nes Segel­schiff wurde!”

Christiane Jansen

Fes­ter Stand, Ruhe und Zuver­sicht zeich­ne­ten Jan­sens Arbeit beson­ders aus. „Die gemein­sa­me Zeit mit ihr am juni­kum-Steu­er­rad erfüllt mich mit beson­de­rem Stolz”, so Kurth wei­ter. Für Chris­tia­ne Jan­sen, deren Platz in der Geschäfts­lei­tung des juni­kum durch Mar­kus Han­sen besetzt wur­de, geht die Rei­se nun Rich­tung Ber­lin, wo mit vier Enkel­kin­dern eine völ­lig neue Her­aus­for­de­rung auf sie wartet.

 

Kita »Stim­berg-Zwer­ge«


ie »Stim­berg-Zwer­ge« ste­hen qua­si bereits vor der Tür. Neun­und­neun­zig an der Zahl. Und eigent­lich gin­gen die Bau­ar­bei­ten der neu­en »Kita« in Oer-Erken­schwick vom Fleck weg her­vor­ra­gend vor­an. Doch sechs Mona­te spä­ter kommt es, der Coro­na-Pan­de­mie geschul­det, im zwei­ten Quar­tal auf der Ziel­ge­ra­den zu erheb­li­chen Schwie­rig­kei­ten. Der Grund: Mate­ri­al­man­gel! Die Bau­bran­che kämpft in die­sen Tagen enorm.

Kita Stimberg-Zwerge
© juni­kum GmbH

Dass die »Stim­berg-Zwer­ge« ihr neu­es Domi­zil wie ursprüng­lich geplant am 1. August bezie­hen, wird defi­ni­tiv nicht mög­lich sein. Hier sieht Tho­mas Kurth, Geschäfts­füh­rer des juni­kum, die Sicher­heit der Kin­der an obers­ter Stel­le. „Wann genau die »Zwer­ge« ein­zie­hen wer­den, ist noch unge­wiss, eini­ge Wochen wer­den alle Betei­lig­ten aber wohl noch Geduld haben müs­sen”, so Kurth. Das bestä­tigt auch Oli­ver Mum­me, gemein­sam mit Frank Staf­fel von der Staf­fel Group RE Bau­herr der neu­en »Fünf-Grup­pen-Ein­rich­tung«: „Da in vie­len Zulie­fer­er­be­trie­ben aktu­ell nur hal­be Beleg­schaf­ten arbei­ten, fehlt es am Ende natür­lich an Mate­ria­li­en, zum Bei­spiel an Roh­ren, so dass die Arbei­ten an den Sani­tär­an­la­gen wie­der auf­ge­nom­men wer­den kön­nen.” Auch Boden­be­lä­ge und Gips feh­len. Die Lis­te wird lang und länger.

Kita Stimberg-Zwerge
© juni­kum GmbH

Wolf­gang Brö­er, juni­kum-Pro­jekt­lei­ter rund um die neue Kin­der-Tages­stät­te, betont, wie wert­voll er sich nun erwei­se, mit regio­na­len Hand­wer­kern zusam­men­zu­ar­bei­ten: „Gro­ße Möbel­fa­bri­kan­ten haben aktu­ell bis zu 16 Wochen Lie­fer­zeit, ein loka­les Netz­werk von Hand­wer­kern reagiert da wesent­lich schnel­ler und unkom­pli­zier­ter.” In die­sem Zusam­men­hang hebt Brö­er auch die Koope­ra­ti­on mit der Stadt Oer-Erken­schwick ganz beson­ders her­vor. Als neu­en Eröff­nungs­ter­min haben Bau­her­ren und Mie­ter vol­ler Opti­mis­mus nun den 23. August ins Auge gefasst.

 

Schwes­ter Ger­lin­de verstorben


ie schö­nen Erin­ne­run­gen sind die, die einem beim Zurück­den­ken ein Lächeln auf die Lip­pen zau­bern — (aus dem Gruß­wort von Schwes­ter Ger­lin­de und Schwes­ter Lucie im juni­ver­sum im Som­mer 2020, mit dem sie sich vom juni­kum ver­ab­schie­det haben).

Mit gro­ßer Trau­er habe ich erfah­ren, dass Schwes­ter Ger­lin­de Buss­mann im hohen Alter von 87 Jah­ren heu­te in Müns­ter ver­stor­ben ist. 1982 kam Schwes­ter Ger­lin­de als Obe­rin der Ordens­ge­mein­schaft der »Schwes­tern von der gött­li­chen Vor­se­hung« in das Kin­der­heim St. Agnes. Die Lei­tung der Haus­wirt­schaft gehör­te vor­wie­gend zu ihren Aufgaben.

Schwester Gerlinde
© AINFACH.com

Im Mit­tel­punkt ihres Wir­kens stan­den stets das Wohl und die Zufrie­den­heit der Kin­der und Mit­ar­bei­ten­den. Noch weit über ihren Ruhe­stand hin­aus war sie für das juni­kum tätig, zuletzt küm­mer­te sie sich um die Wäsche in der junitSCALA.

Mit Weh­mut ver­lie­ßen die bei­den Ordens­schwes­tern im Som­mer 2020 Oer-Erken­schwick und zogen zu ihren Mit­schwes­tern in das neue Schwes­tern­haus nach Müns­ter. Dass sie sich auf­grund der Coro­na-Situa­ti­on von den Grup­pen sowie von den Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern nicht mehr per­sön­lich ver­ab­schie­den konn­ten, bedau­er­ten sie sehr. Trotz gesund­heit­li­cher Beein­träch­ti­gun­gen leb­te Schwes­ter Ger­lin­de sich gut in die neue Gemein­schaft ein.

Es ist tröst­lich für mich zu hören, dass Schwes­ter Ger­lin­de genau mit dem oben beschrie­be­nen Lächeln auf den Lip­pen von uns gegan­gen ist. Vie­le Erin­ne­run­gen und Bil­der blei­ben mir prä­sent, die ich mit Schwes­ter Ger­lin­de ver­bin­de. Nicht nur wie sie Schwes­ter Lucie bei zahl­rei­chen Pro­jek­ten unter­stütz­te oder bei den Som­mer­fes­ten die Kin­der beim legen­dä­ren Fuß­ball­spiel »Kin­der gegen Mit­ar­bei­ter« mit lecke­ren Trost­pflas­tern ver­sorg­te. Auch ihre Fröh­lich­keit und ihre auf­merk­sa­me Für­sor­ge wer­de ich nicht ver­ges­sen. Möge Schwes­ter Ger­lin­de bei Gott ihren Platz fin­den. Las­sen Sie uns gemein­sam Schwes­ter Ger­lin­de geden­ken und sie in unser Gebet einschließen.

Im Namen der Geschäfts- und Bereichsleitung,
Tho­mas Kurth

 

Fort­set­zung folgt…

 

Vie­len Dank für Ihr Interesse…

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